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Grundsätzliches
Dass sich Hunde und Menschen nicht verstehen, dürfte
oft daran liegen, dass der heutige Mensch verlernt hat, gefühlsmäßig
auf ein Tier einzugehen und die Körpersprache des Hundes zu
verstehen. Hinzu kommt, dass viele Hundehalter ihre Hunde
vermenschlichen und den Hund dadurch in eine missliche Lage bringen.
"Hund kann er nicht sein und Mensch kann er nicht werden."
Wenn ein Hund über eine gewisse Zeit artfremd behandelt wird, kann
es häufig zu neurotischen Ausfällen kommen, oder der Hund dreht
einfach den Spieß um und regelt die Angelegenheit auf seine "Art".
hier kommt es dann aufgrund der fortlaufenden Missverständnisse zu
"Unfällen", indem der Hund seinen Führer tyrannisiert, oder sogar
angreift.
Hunde unterhalten sich mit einer Körpersprache.
Es ist eine "anzeigende" Sprache, die noch dazu immer nur die
jeweilige augenblickliche Situation des Hundes anzeigt, in der er
sich gerade befindet.
Der Mensch hingegen äußert sich in einer "beschreibenden" Sprache,
welche von der augenblicklichen Situation unabhängig ist.
Als Mensch können Sie erzählen, was gestern war, was Sie gerade
ausdrücken wollen oder was Sie morgen planen.
Der Hund kann das nicht. Nicht nur, dass er nicht wirklich sprechen
kann, sondern er kann mit seiner Körpersprache nur das ausdrücken,
was er just in diesem Augenblick empfindet, wenn er mit uns
"spricht".
Wenn Sie das im Umgang mit Ihrem Hund nicht beachten, dann geht es
Ihnen wie dem Radiohörer, der eine auf Kurzwelle ausgestrahlte
Sendung nicht empfangen kann, weil er sein Gerät auf UKW eingestellt
hat.
Wenn Sie also mit Ihrem Hund "sprechen" wollen, dann müssen Sie auf
seinen Kanal umschalten, sonst funktioniert es leider nicht.
Versuchen wir also zusammen die "Sprache" unseres Hundes zu
erlernen.
Im Groben verstehen wir unsere Hunde gefühlsmäßig.
Ein Hund duckt sich und zieht den Schwanz ein - der Hund hat Angst.
Der Hund steht steif, sträubt die Haare und bleckt die Zähne - er
macht dem Menschen Angst.
Ein anderer Hund kommt hoppelnd und schwanzwedelnd auf uns zu und
stupst uns an - vor diesem Hund werden wir kaum Angst haben.
Beim "Spielbeißen" wird es für viele Menschen schon schwieriger. Ein
befreundeter Tierarzt erzählte mir von einem Schäferhundwelpen, der
ihm mit angelegtem Beißkorb in die Praxis gebracht wurde, weil seine
Besitzer sein Spielbeißen missverstanden hatten.
Um unseren Hund zu verstehen, müssen wir seinen Kopf mit
Ohrenstellung, Augen und Lippen, seinen übrigen Körper und die
Stellung seiner Rute beachten.
Beschränken Sie sich nicht nur auf ein isoliert gesehenes Zeichen,
wie etwa eine wedelnde Rute. Nur alle Zeichen zusammen zeigen die
momentane Stimmung unseres Hundes.
Wir nehmen also einfach eine Dreiteilung des Hundes vor:
|
Gesichtsausdruck und Ohrenhaltung |
Körperhaltung |
Rutenhaltung |
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Imponieren
| Blick ist
abgewandt, Ohren nach vorne |
steifbeinig,
wirkt größer |
Rute hoch,
leicht pendelnd |
Zunächst wird eigene Überlegenheit demonstriert. Dies kann aber
schnell in Aggression übergehen.
Der andere Hund kann drohen oder plötzlich angreifen (was nicht für
ihn spricht) oder er kann sich unterwerfen.
Wenn sie sich gleich stark einschätzen und es sich nicht um
aggressive Hunde handelt, können sie auch hocherhobenen Hauptes
auseinander gehen, wobei Rüden in der Regel "markieren", d.h. sie
setzen am nächsten markanten Punkt ihren Urin ab und scharren
anschließend sehr selbstbewusst. Wenn Artgenossen in der Nähe sind,
dann wird mehr markiert und gescharrt.
Das Markieren der Rüden und auch mancher Hündinnen diente
ursprünglich der Revierabgrenzung und gehört zum "angewölften"
Verhalten unserer Haushunde - also ein Erbe ihres Stammvaters.
Freilaufende Hunde in den Dörfern, sofern es sie noch gibt,
respektieren in der Regel die Markierungen der anderen Hunde und
reagieren mit Flucht, wenn sie vom "Revierinhaber" in dessen Gebiet
erwischt werden.
Ihre "armen" Brüder in den Städten werden durch die laufenden
"Revierüberschneidungen" der vielen Hunde gezwungen, ihren Urin in
Kleinstdosierungen immer öfter abzusetzen, um die unerwünschten
Marken der vielen Anderen zu übertünchen. Da ihr Urinvorrat aber
nicht unerschöpflich ist, heben sie, selbst wenn sie schon längst
leer sind, immer noch verzweifelt das Bein und tun so "als ob".
Wenn ein Rüde einen anderen "bespringt" oder "aufreitet", so handelt
es sich primär keinesfalls um ein unsittliches Verhalten, sondern um
Imponiergehabe. In abgeschwächter Form wird dem Rivalen einfach die
Vorderpfote auf die Schulter gelegt.
In manchen Fällen, wenn das Aufreiten auch bei Familienangehörigen
von ihrem Hunde gezeigt wird und er es durch energisches
Einschreiten nicht lässt, muss diese vielleicht hormonelle Störung
mit ihrem Tierarzt besprochen werden.
Wie ich in der letzten Zeit feststellen konnte, werden in Tierheimen
immer mehr Rüden kastriert. Diese geschlechtslosen Rüden werden auf
Spielwiesen von potenten Rüden leidenschaftlich "besprungen", da sie
offensichtlich einen ähnlich interessanten Geruch wie eine "heiße"
Hündin ausströmen.
Eine andere Variante des Imponierens ist die so genannte T-Stellung:
Der dominante Hund stellt sich einfach quer vor den anderen Hund.
Interessant ist vielleicht, dass kleine Hunde öfters zu
Imponiergehabe neigen als größere. Aber das kennen wir ja schon von
unseren Mitmenschen.
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Soziale
Unsicherheit (Auch der Umwelt gegenüber)
|
Gesichtsausdruck und Ohrenhaltung |
Körperhaltung |
Rutenhaltung |
|
Blick ist unruhig, gespannte Gesichts- und
Kopfhaut, "grinsendes" Gesicht durch nach hinten gezogene
Lippen, Ohren nach hinten, Kopf gesenkt |
Eingeknickte Gliedmassen
(kleiner machen) |
Einklemmen der Rute |
Blick ist unruhig, gespannte Gesichts- und Kopfhaut, "grinsendes"
Gesicht durch nach hinten gezogene Lippen, Ohren nach hinten, Kopf
gesenkt Eingeknickte Gliedmassen
(kleiner machen) Einklemmen der Rute
Dieses beschriebene Verhalten kann zum Beispiel ein noch unsicherer
Junghund von Fall zu Fall zeigen. Im Laufe seiner Entwicklung sollte
der Hund aber mit zunehmender Sicherheit nur noch die "passive" oder
"aktive" Unterwerfung zeigen, welche wir später besprechen wollen.
Leider zeigen aber immer mehr erwachsene Hunde nur noch die
beschriebene soziale Unsicherheit.
In allen Fällen ist der Mensch an diesem Verhalten schuld. Sei es,
dass er mit wesensschwachen Elterntieren "gezüchtet" oder den Hund
in seinen Präge- und Entwicklungsphasen nicht artgerecht oder viel
zu hart "erzogen" hat.
Sie werden mir Recht geben, wenn ich behaupte, dass ein dauerndes
Leben in sozialer Unsicherheit für einen Hund, genauso wie für einen
Menschen, die Hölle ist.
Ein nicht zu kleiner Teil der so genannten Züchter ist bei der
Zuchtauswahl entweder nicht in der Lage, dieses Verhalten zu
erkennen, oder setzt sich einfach über Wesensmängel ihrer Zuchttiere
hinweg, nur um absolute Schönheit der Nachzucht zu erreichen. Daher
sollte für alle Hunderassen bei der Zuchtzulassung ein ausführlicher
aber sinnvoller Wesenstest Voraussetzung sein.
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Drohverhalten
|
Gesichtsausdruck und Ohrenhaltung |
Körperhaltung |
Rutenhaltung |
Wir unterscheiden zwischen Angriffsdrohen und Abwehrdrohen.
In beiden Fällen ist das Verhalten des Hundes immer auf den Gegner
gerichtet.
1. Angriffsdrohen
Kopf leicht
gesenkt, Zähne gefletscht; Lippen kurz, bei Unsicherheit länger,
Fixieren des Gegners,
nach hinten gezogene Ohren,
Knurren, manchmal Bellen |
Haarsträuben,
gestreckte Glieder |
Rute weit über
den Rücken |
Beim Wolf wird die Auseinandersetzung meist hier beendet. Bei
unseren Haushunden kann auf das Imponieren unmittelbar der Angriff
erfolgen, oder der Angriff erfolgt ohne vorher zu imponieren.
2. Abwehrdrohen
Mundwinkel
weit nach hinten gezogen,
Ohren angelegt,
spontanes Beißen in die Luft,
der defensive Hund beißt oft zuerst (Angstbeißer) |
Leicht
eingeknickte Beine (oft nur kurz),
trotzdem können Haare gesträubt werden |
Rute
eingekniffen, eng an den Unterleib gedrückt |
Flieht der defensive Hund, wird er vom dominierenden verfolgt, da
dieser von der Sache nicht befriedigt ist.
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Demut - Passive
Unterwerfung
|
Gesichtsausdruck und Ohrenhaltung |
Körperhaltung |
Rutenhaltung |
Blickkontakt
wird vermieden,
Ohren nach hinten,
Gesicht wirkt welpenhaft, Lippen grinsen,
Leckbewegungen,
winseln, fiepen, schreien, urinieren |
Auf den Rücken
legen,
im Sitzen oder Stehen Vorderpfote heben (pföteln) in Richtung
Partner |
Rute
eingeklemmt |
Hier zeigt der Hund keinerlei Aggressivität (im
Foto der untere Hund). Mit dieser Geste sollte jeder Kampf beendet
werden. Der Dominante muss darauf reagieren, wenn er in seinen
Prägungsphasen richtig sozialisiert worden ist. Durch dieses
Erscheinungsbild muss beim dominanten Hund die so genannte
Beißhemmung einsetzen. Er kann nicht mehr zubeißen, selbst wenn er
wollte.
Leider gibt es immer mehr Hunde, die sich in dieser Richtung asozial
zeigen und den sich "ergebenden" Hund einfach totbeißen.
Andererseits zeigen auch gerade kleinere Hunderassen nicht mehr die
passive Unterwerfung, so dass sie beim dominanten Hund die
Beißhemmung nicht auslösen und dadurch schwer verletzt oder gar
getötet werden. Dann ist immer der böse große Hund schuld, obwohl er
nichts dafür kann.
Hinzu kommt, dass sehr viele Aggressionen häufig von kleineren
Hunden ausgehen, weil sie im Welpenalter kaum mit anderen
Artgenossen spielen können und bei Annäherung eines großen Hundes
ängstlich auf den Arm genommen werden und dadurch lernen, dass ein
großer Hund Gefahr bedeutet, die er dann als Erwachsener durch
Aggression abwehren will.
Natürlich können Sie Ihren Welpen nicht sorglos zu jedem großen Hund
lassen, weil Sie ja nicht wissen, ob dieser auch "normal" ist. Gehen
Sie mit Ihrem Welpen so früh wie möglich auf Hundeplätze, die einen
Spielbetrieb anbieten, damit Ihr Hund die passive Unterwerfung lernt
und sie auch bei anderen Hunden respektiert.
Weiterkämpfen bis zum Tode ist nicht zuletzt auf genetische Defekte
zurückzuführen, die vererbt werden. Dies ist wiederum die Schuld
mancher Züchter, oder sagen wir lieber "Vermehrer".
Der Wolf tötet in der Regel nur rudelfremde Wölfe (Kontrolle der
Bevölkerungsdichte).
Auf den Rücken legen und urinieren ist ein Relikt aus seiner
Welpenzeit, als die Hündin sein pralles Bäuchlein mit der Zunge
massierte und seine Exkremente aufleckte. Daher mögen es unsere
Hunde auch bei ihrer "aktiven" Unterwerfung uns gegenüber so gerne,
wenn sie sich auf den Rücken legen und wir ihren Bauch kraulen.
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Demut - Aktive
Unterwerfung
|
Gesichtsausdruck und Ohrenhaltung |
Körperhaltung |
Rutenhaltung |
| Blick ist
vertrauensvoll auf den Partner gerichtet |
Körper ist
unterwürfig |
Rute neutral |
Die aktive Unterwerfung, bei welcher sich der Hund
freiwillig und ohne Zwang vertrauensvoll dem Menschen oder seinem
Artgenossen ganz ausliefert, ist das wichtigste Verhalten unseres
Hundes im Zusammenleben mit uns Menschen. Sehr viele Hundehalter
können Sie aber nicht von der passiven Unterwerfung unterscheiden.
Im Gegenteil, sie zwingen ihre Hunde beim täglichen Umgang immer
wieder in die passive Unterwerfung und machen aus ihrem Hund mit der
Zeit einen immer unsicheren, sich am Boden krümmenden, winselnden
und urinierenden seelischen Krüppel.
Die aktive Unterwerfung geht häufig in Spielverhalten über. Es
gehört dazu, dass mir der Hund Pfötchen gibt, mir die Hände leckt,
sich vor mir zum "Bauchi kraulen" auf den Boden legt und auch
manchmal versucht meinen Mund zu erreichen und ihn zu belecken.
Dieses so genannte Mundwinkellecken stammt ebenfalls aus seiner
Welpenzeit, als er seine Mutter mit diesem Verhalten dazu bringen
konnte, ihm vorverdautes Futter vorzuwürgen.
Wenn Sie das nicht wollen, so brauchen Sie es ihm nur durch ein
Abwenden des Gesichts und ein konsequentes "Nein!" abgewöhnen.
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Spielverhalten
Mit der Zeit werden Sie allein am Gesichtsausdruck
ihres Hundes erkennen, wann er spielen will. Die Ausdrucksfähigkeit
des Hundegesichts ist von Hund zu Hund verschieden. Die mehr oder
weniger starke Behaarung und die Farbe spielen eine große Rolle. Bei
starker Behaarung des Gesichts können Sie die Mimik oder die Form
der Lippen schlecht sehen. Ein ganz schwarzes Gesicht ist auch
schlecht zu enträtseln. Unsere Haushunde zeigen auch weniger Mimik
als Wölfe. Wölfe schneiden viel mehr Grimassen als Hunde.
Welpen trainieren den Ernstfall in fortlaufenden Kampfspielen mit
Knurren, Beißen und Bellen. Damit lernen sie den Partner kräftemäßig
einzuschätzen und auch seine passive Unterwerfung zu respektieren
und umgekehrt. Alle Arten des Imponierens, Drohens und Kämpfens
werden "gespielt".
Hinzu kommen bei der Spielaufforderung bestimmte Körpersignale wie
die Tiefstellung des Vorderkörpers und der Hintern ganz hoch, dann
im Hoppelgalopp in Richtung Partner und kurz vorher wieder abdrehen
und sich fangen lassen und gleich darauf wieder selber fangen.
Annäherung durch Hopsen und abruptes Stehen mit steifen Beinen. Das
Spieltragen und Apportieren von verschiedenen Gegenständen.
Das Spielbeißen wird von vielen Menschen missverstanden, wie ich
eingangs schon erwähnt habe. Der junge Hund will einfach aus
Zuneigung im Spiel erfahren, wie weit er mit seinem geliebten
Partner gehen kann. Gleiches macht er beim Spiel ja auch mit seinen
Artgenossen. Das ist alles ganz ungefährlich, wenn Sie das Spiel mit
dem Welpen sofort abbrechen, sobald er zu grob wird. Sie brauchen
nur ganz normal, wie bei der Kindererziehung zu reagieren. Wenn Sie
sich allerdings von Ihren Kindern auf dem Kopf herumtanzen lassen,
dann werden Sie einen Hund nie richtig erziehen können.
Antiautoritäre Erziehung beim Hund ist gefährlich, weil sie nicht in
sein soziales Verständnis passt. Der Hund übernimmt als Erwachsener
sofort die Führungsrolle, wenn in seinem Rudel Mensch/Hund der
Mensch nicht in der Lage ist, die Führungsrolle zu spielen, die vom
Hund anerkannt und respektiert werden muss.
Sie haben jetzt sicher
erkannt, wie wichtig es im Zusammenleben mit Hunden ist, derer
Körpersprache lesen zu können. Die Hunde sind von uns abhängig und
daher ist es wichtig, sich mit ihnen verständigen zu können, damit
wir ihnen ein einigermaßen artgerechtes Zusammenleben bieten können.
Die "Ohren- und Schwanzabschneider" unter den "Züchtern", wie sie
Trumler so treffend genannt hat, möchte ich fragen, welchen
Signalwert ein verstümmelter Schwanz oder ein halb abgeschnittenes
Ohr eines Hundes noch hat. Die richtige Antwort könnten diese Leute
wahrscheinlich erst geben, wenn sie es an sich selber ausprobieren
würden. Damit wir sie nicht so laut schreien hören, schlage ich vor,
ihnen die verkürzten Atemwege mancher Hunderassen anzuzüchten, damit
sie, wie diese, nur noch röcheln könnten.
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Grundschule der
Hundeerziehung
Nun wenden wir uns aber den
Verständigungsmöglichkeiten bei der Erziehung von Hunden im Umgang
mit ihnen zu.
Bis jetzt haben wir nur gelernt, wie sich der Hund uns gegenüber
äußert, wenn er uns etwas sagen will. Welche Möglichkeiten haben
aber wir Menschen, wenn wir Verbindung mit dem Hund aufnehmen
müssen, weil wir mit ihm "sprechen" oder ihm etwas lernen wollen?
Wie Sie schon gelernt haben, müssen wir mit unseren "Sendungen" auf
seinen "Kanal" umschalten.
Wir benützen dazu folgende Sinne:
Hören
Sehen
Fühlen (körperlich)
Fühlen (seelisch)
Der Hund hört um ein Vielfaches besser als der Mensch. Sie brauchen
ihn also nicht anzuschreien.
Um den Hund zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen, muss ich
ihm zunächst sagen, was ich von ihm will. Mit dem entsprechendem
Hörzeichen, z.B. "Sitz", benütze ich eine so genannte
"stellvertretende Einwirkung". Wir benützen dazu immer die gleichen
so genannten Hörzeichen oder Kommandos. Diese müssen immer gleich,
konsequent und in gleicher Stimmlage verwendet werden. Hunden fehlt
ein "Wortverständnis" völlig. Sie können nur lernen, Worte mit
bestimmten Aufforderungen zu "verknüpfen".
Beispiel:
Ihr Hund steht angeleint zu Ihrer linken Seite. Sie geben ihm das
Hörzeichen "Sitz", nehmen ihn mit der rechten Hand an der Leine
etwas hoch und drücken ihn gleichzeitig mit der linken Hand an der
Kruppe nach unten, (diese körperliche Hilfe nennt man "ursprüngliche
Einwirkung") bis er die Sitzstellung eingenommen hat. Wenn er sitzt,
bekommt er blitzschnell eine Belohnung in Form eines kleinen
Leckerbissens. Später wird der Leckerbissen immer mehr abgebaut und
nur noch durch ehrliches Lob ersetzt.
Nach etlichen Wiederholungen dieser Übung wird der Hund relativ
schnell gelernt haben, sich allein auf das Hörzeichen "Sitz", ohne
Körperhilfe, hinzusetzen.
Er hat also über "hören" (Hörzeichen "Sitz") und "fühlen" (vorne
hochnehmen und gleichzeitig hinten niederdrücken) verknüpft, dass er
sich auf das Hörzeichen "Sitz" hinsetzen muss. Gleichzeitig kommt er
durch seine Belohnung (Lob oder Leckerbissen) zu einer so genannten
Trieberfüllung, die die Übung immer abschließen muss!
Wenn Sie statt des Hörzeichens "Sitz" z.B. das
Hörzeichen "Platz" verwenden und beim Lernen die gleichen
Körperhilfen geben würden, dann würde sich der Hund auf das falsche
Hörzeichen auch hinsetzen, statt sich zu legen. Damit können Sie
beweisen, dass der Hund den Sinn des Hörzeichens (stellvertretende
Einwirkung) nicht versteht, sondern nur in Verbindung mit den
Körperhilfen (ursprüngliche Einwirkungen) verknüpfen kann.
Wie wir ja schon wissen, äußert sich der Hund durch seine
Körpersprache und seine Mimik. Im Umgang mit uns Menschen beobachtet
der Hund sehr genau unsere Körperhaltung, unsere Gesten, unsere
Mimik und den Tonfall unserer Stimme. Nur wenn das alles zu dem
passt, was wir von unserem Hund wollen, kann er uns verstehen.
Dies dürfte auch der Grund sein, warum manche Hunde manche Menschen
nicht mögen. Vielleicht, weil diese Hunde erkennen, dass sich dieser
Mensch zumindest ihm gegenüber verstellt. Seine "Freundlichkeit"
passt vielleicht mit seiner Körpersprache nicht zusammen oder
umgekehrt.
Ein Hund kann nichts lernen, wenn er durch Ihr falsches Verhalten in
eine Stresssituation gedrängt wird. Ein Lernprozess unter Stress ist
auch beim Menschen nicht möglich.
Sie müssen Ihrem Hund immer das gleiche Hörzeichen, verbunden mit
der Körperhilfe geben und dürfen ihm dabei keine Romane erzählen
oder ihm eine Strafpredigt halten, weil er vorher etwa verkehrt
gemacht hat. Dies würde Ihren Hund stressen, verunsichern und den
Verknüpfungsprozess unmöglich machen.
Sie müssen Geduld haben, konsequent sein und auf Ihr eigenes
Verhalten achten. Wenn Sie unwillig werden, bedrohen Sie durch Ihre
Körperhaltung und Ihre unwillige Stimme automatisch Ihren Hund und
verderben ihn.
Denken Sie daran, dass Ihr Hund immer nur die augenblickliche
Situation begreifen kann und dass er vor allem kein
Unrechtsbewusstsein hat.
Beispiel:
Ihr Hund kommt von seinem ersten erfolglosen Wildern zurück Dan
freut er sich ganz fürchterlich, weil er Sie wieder gefunden hat.
Sie aber kochen vor Wut, weil er sich unberechtigt entfernt hat und
auf Zuruf nicht gleich gekommen ist. Sie empfangen ihn mit einer
Schimpfkanonade und drohenden Gebärden, weil sie ihm auf Menschenart
klarmachen wollen, dass er sich ungehorsam verhalten hat.
Der Hund kann Ihren Unwillen oder auch die damit verbundenen
Grobheiten nur auf seine augenblickliche Situation beziehen, nämlich
auf das Zurückkommen. Er verknüpft und merkt sich das. Bei der
nächsten Gelegenheit geht er selbstverständlich aufgrund seines
angeborenen Triebes wieder zum Wildern, weil Sie ihm das ja nicht
abgewöhnt haben. Sie haben ihn für sein freudiges Zurückkommen
betraft. Beim erneuten Zurückkommen - wo soll er auch anders hin -
fällt ihm Ihre letzte oder immer wiederkehrende Reaktion ein. Er
wird immer unlustiger und immer zögernder zu Ihnen zurückzukommen.
Hundehalter, die so mit ihren Hunden umgehen, erzählen mir immer
ganz stolz, dass ihr Hund einsieht und ganz genau weiß, dass man
nicht wildern darf. In Wirklichkeit haben sie ihm zwar nicht das
Wildern, sondern das Zurückkommen abgewöhnt.
Wenn Sie darüber nachdenken, können Sie dieses Beispiel unendlich
variieren.
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Zusammenfassend
Wenn Sie von Ihrem Hund ein bestimmtes Verhalten erreichen wollen,
dann geben Sie Ihrem Hund immer das gleiche Hörzeichen und das immer
im gleichen Tonfall. Verwenden Sie nicht für ein Verlangen
verschiedene Hörzeichen. Der Hund weiß sonst nie, was er tun soll.
Zum Beispiel, wenn Sie Ihren Hund zu sich rufen wollen, können Sie
nicht zuerst seinen Namen, dann "hier", gleichzeitig: "gehst her
oder nicht", "was hab ich gesagt", "gehst Du endlich her", "ja
wird's endlich" usw. rufen. So kann das nicht funktionieren! Der
Hund kann nur folgendes verknüpfen: Hörzeichen "Hier", schnell zum
Führer laufen, weil er weiß, dass er freundlich empfangen wird, vor
dem Führer hinsetzen und ein wahnsinnig gutes Leckerli abholen. Dann
darf er wieder laufen und seinen Interessen nachgehen. Nach einer
Weile wird das gleiche wiederholt.
Wenn Sie Ihren Hund nun zu sich rufen, um ihn dann immer gleich
anzuleinen, verknüpft dies der Hund im Laufe der Zeit mit etwas
"Unangenehmen" und er wird immer unlustiger kommen und eines Tages
auf Ihr Rufen nicht mehr hören.
Kinder, die konzentriert im Sandkasten spielen, können von der
Mutter auch leichter zu sich gerufen werden und kommen auch, wenn
sie aus Erfahrung wissen, dass sie anschließend weiterspielen können
und sich nur einen Schluck Saft oder "nur" ein Bussi abholen.
Denken Sie sich also immer in die Lage des Hundes hinein, wenn Sie
ihm ein Hörzeichen geben. Ist er überhaupt in der Lage, Ihr
Hörzeichen aufzunehmen, oder ist er durch etwas abgelenkt? Wenn dem
so ist, dann müssen Sie ihn erst aus dieser so genannten Reizlage
bringen, damit er sich auf Sie konzentrieren kann.
Wie wir schon besprochen haben, beobachtet Sie Ihr Hund sehr genau.
Ihm entgeht nichts. Daher müssen Sie sich sehr in der Gewalt haben,
was Ihre Körperhaltung, Ihre Mimik, vor allem aber Ihre Stimme
betrifft.
Wenn Sie Ihren Hund mit einer drohenden Körperhaltung, mit grantigem
Gesicht und schimpfend empfangen, dann brauchen Sie sich nicht
wundern, wenn Ihnen Ihr Hund ausweicht und Sie ihn nicht einfangen
können. Ihr Hund "fühlt" sofort seelisch Ihre falschen körperlichen
Ausstrahlungen und ein Ausbildungsfehler ist vorprogrammiert. Wenn
Sie wollen, dass ein noch unsicherer Welpe freudig zu Ihnen kommt,
wenn Sie ihn rufen, dann müssen Sie in die Hocke gehen (kleiner
machen) und mit freundlichem Gesicht und lockender Stimme den Hund
rufen. Wenn er da ist, wird der Hund überschwänglich gelobt und mit
einem Leckerbissen belohnt.
Über das seelische Fühlen unserer Hunde ist noch folgendes zu sagen:
Ein nervöser Mensch wird in der Regel auch immer einen nervösen Hund
haben. Je ruhiger und ausgeglichener Sie sind, um so ausgeglichener
ist Ihr Hund.
"Wie der Herr, so's Gscherr"
Nervosität und Inkonsequenz ist für den Hund kein Leitbild und Sie
können mit diesem Verhalten nie der Rudelführer Ihres Hundes werden.
Verhätscheln und Inkonsequenz ist gefährlich. Sie zeigen damit Ihrem
Hund, dass Sie sich ihm unterordnen. Er wird von diesem Angebot
Gebrauch machen. Sie sitzen dann aber beim Fernsehen auf dem Boden
und Ihr Hund liegt auf der Couch, die er Ihnen und Ihrer ganzen
Familie gegenüber mit den Zähnen verteidigt, nur um ein Beispiel zu
nennen.
Ideal:
Konsequenz, Liebe, Härte im richtigen Moment, kameradschaftliches
Zusammenleben und artgerechtes Verstehen.
Diese Ausarbeitung sollte Ihnen lediglich zeigen, wie man den Hund
verstehen und wie man sich ihm verständlich machen kann.
Wenn Sie Ihren Hund richtig erziehen oder ausbilden möchten, was ich
nur jedem empfehle, dann suchen Sie sich bitte einen guten
Ausbilder, der auf dieser Basis arbeitet und Ihnen hilft, Ihren Hund
zu einem angenehmen Begleiter auszubilden.
Meiden Sie unter den "Ausbildern" so genannte "Mechaniker", die, ohne
auf Ihren Hund einzugehen, Ihnen nur einige mechanische Tricks
beibringen. Ihr Hund soll mit Ihnen eine Symbiose eingehen und als
ungebrochene Persönlichkeit Ihnen in seinem relativ kurzen Leben
"folgen".
Die Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen sagt in Ihrem Buch
"Hundepsychologie":
"Hunde sind besondere Haustiere, die dem Menschen sehr viel geben
und ihm verlässliche Begleiter sein können. Wir dürfen nicht
zulassen, dass diese einmalige Beziehung zerstört wird."
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QUELLE
Zur Verfügung gestellt von
www.hundeverzeichnis.de (Claudia Allmannsberger)
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